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KONZERT
KEN (members of BLACKMAIL) + GENEPOOL
Freitag, 23.04.2010 · 20:30 Uhr

Dafür steckte darin
von Anfang an zu viel Herz.“ Eben dieses Herz war es auch, welches Ken nach
Aydos Trennung von Blackmail wieder zu seinem Hauptinteresse machte. „Mit
der Arbeit an dieser Platte hatte ich bereits noch zu Blackmail Zeiten
begonnen“, erzählt der aufgeweckte, auch eigenwillige Sympath. „Und so stand
für mich fest, dass KEN jetzt erst mal bis auf Weiteres die Hauptrolle spielen
wird.“
Eine Hauptrolle, die nicht nur für den Musikfanatiker mit der kraftvoll und weich
rollenden Stimme sowie den herrlich kryptischen Lyrics mehr war als nur der
nächste coole Streifen seiner gelebten Filmografie. Denn wenn man sich mit
“Yes We” auseinander setzt, wenn man sich in die vielen Ideen, Sounds und
Schichten dieser Wahnsinnsplatte eingehört hat, bekommt man sehr schnell
das Gefühl, dass die Entstehung dieses Werks für alle Beteiligten ein
spannender Parforceritt durch die Möglichkeiten war. Und so verwundert es
auch nicht, wenn Aydo KEN „als eine ultimative Spielwiese, auf der aber nicht
nur gespielt, sondern auch etwas von Wert gemacht wird“ beschreibt.
Was ist dieser Wert? Wie lässt er sich greifen? „Nun, es ist ja so, dass ich
eigentlich nichts kann“, schmunzelt Aydo, durchaus kokett und natürlich
kolossal tiefstapelnd. „Deshalb habe ich alle dazu eingeladen, mir ihre Ideen zu
präsentieren. Und gemeinsam haben wir dann geschaut, wie sich daraus etwas
formen lässt, das KEN ist.“ Wie zahlreich und vielseitig diese Ideen gewesen
sein müssen, zeigt sich nun auf “Yes We”. Da ist Pop und Spacerock,
Elektronik und Postpunk, da sind fruchtig schmatzende Melodie-Preziosen und
schrullig dahin wabernde Klangabfahrten. Man hört es sofort: Alles war erlaubt,
aber ebenso schien es geboten, jede nicht ganz so zündende Idee auch
ebenso konsequent wieder zu verwerfen. Was blieb, ist gut, groß, besonders.
„Ich finde, es muss überhaupt wieder mehr gewagt werden“, ist sich Aydo
sicher. „Mich macht das richtig krank, wie die Rockszene immer mehr zu
angepassten Rex Gildos verkommt. Das kann doch nicht der Weg sein, erst
recht in der Krise der Branche. Natürlich wünsche ich mir für Ken ebenfalls
alles, was geht. Aber dabei darf der Mut nicht komplett auf der Strecke bleiben.
Ich finde, das ist das Schlimmste an den Entwicklungen der letzten paar Jahre.“
Mut haben KEN ohne Frage.
Denn der bei allem Erfolg angenehm natürlich gebliebene Inbegriff eines guten
Frontmannes öffnet auf “Yes We” nicht nur seine Künstler-Seele, sondern auch
sein Herz. „Mann, ich bin verliebt! Und zwar das erste Mal in meinem Leben so,
dass es von Dauer ist. Klar, dass sich das auch auf die Texte auswirkt. Doch
damit diese positiven Schwingungen nicht zu offensichtlich sind, haben wir die
Songs, die sich mit dem Thema beschäftigen, hübsch verklausuliert.“ Und so
kommt es dann auch zu einigen eigenartigen Songtiteln und einer Abkürzung
wie “Y.K.I.W.G.T.T.END.O.T.W.W.Y“, „die aber jeder, der ein wenig nachdenkt
und den Hintergrund kennt, ziemlich schnell dechiffrieren dürfte“, so Aydo.
Dechiffrieren lässt sich auch noch etwas anderes: Mehr als je zuvor ist “Yes
We” das Ergebnis eines Kollektiv-Gedankens. Wem die Musiker, mit denen
Aydo auf dieser Platte kollaboriert, auch von ihren jeweiligen anderen Projekten
ein Begriff ist, der wird recht schnell einige markante Bausteine heraushören.
Die wirbelnden Basslines und fies schneidenden Synthie-Sounds von Georg
Brenner beispielsweise, sonst eine Hälfte der brillanten Elektrorock-Maschine
Urlaub in Polen. Oder die geschmackvollen, griffig-unverdorbenen Keyboard-
Flächen von Marcel von der Weiden. „Ich war immer schon überzeugt, dass
Marcel weit mehr kann als das zu spielen, was man ihm vorgibt“, sagt Aydo.
„Also ließ ich mir seine eigenen Demos vorspielen. Und siehe da: Mit vielem,
was er geschrieben hatte, konnten wir alle unmittelbar etwas anfangen.“
Was die einen im Finden der musikalischen Grundzüge waren, waren zwei
andere im Hinblick auf die grundsätzlichen Fragen von Richtung, Klang,
Produktion und Dynamik. Oliver Ole Fries, sonst Gitarrist bei Profession
Reporter, „ist schon seit der ersten Ken-Platte ein ausgezeichneter Berater“, so
Aydo. Und den aktuellen KEN -Bassisten Guido Lucas, Labelchef von bluNoise,
Studiochef der blubox und damit eine Art Gottvater des deutschen Noiserock,
muss man dem Rockhörer wohl nicht mehr vorstellen. Aydo: „Ich denke, jeder
Profimusiker hat so etwas wie eine Vaterfigur, wenn es um die Entdeckung der
eigenen Kunst und Inspirationen geht. Für mich ist das Guido. Schon immer.“
Und so entstand auch “Yes We” wie schon die Vorgängeralben “Have a Nice
Day“ (2001) und “Stop! Look! Sing Songs of Revolutions!“ (2005) sowie das
Cover-Album “I Am Thief “ (2005) in der blubox in Troisdorf. Was für jeden, der
den typisch brachial direkten blubox-Sound kennt, eine echte Überraschung ist:
So viel Pop, Wohlklang und Gefälligkeit aus einem der wüstesten Zentren
deutschen Premiumkrachs? „Tja, Inspiration kann schließlich in beide
Richtungen laufen“, lacht Aydo. „Als ich Guido kennen lernte, hasste er sogar
die Beatles. Inzwischen habe ich ihm schon beigebogen, dass es auch richtig
gute Popmusik gibt.“ Wie gut auch KENs Popmusik sein kann, beweist schon
die vorab ausgekoppelte Single “Get a Life“: Getrieben von peitschenden
Rhythmen des einzigen neu hinzu gekommenen KEN Mitglieds, dem Drummer
Michael Borwitzky (ehemals Union Youth), und kraftvollen Rock-Arrangements,
singt Aydo eine seiner brillanten Melodien, wie nur es kann. Richtig balladeskintim
wird es bei “Reminder D“: So viel Mut im leichtfüßigen Pop gab’s lange
nicht.
Und wie geht’s jetzt weiter, Aydo? „Das Schöne ist, dass ich das selber nicht
weiß. Ich weiß nur: Diese Platte ist ein Aufbruch, der Beginn einer neuen Phase
meines Daseins als Mensch, Sänger und Künstler. Das einzige, was ich weiß:
Ab jetzt kann alles passieren.“
Und so ist diese spannende, in keiner Sekunde vorhersehbare Platte der beste
Beleg dafür, dass man kreative Zellen einfach mal machen lassen sollte. Wenn
sie sich frei entfalten, dann kann Musik entstehen, die fernab jeder Erwartungshaltung
wie eine Streubombe ins Gehirn einschlägt und dort ein Kopfkino von
kaleidoskopischen Farben erzeugt.
Ja, KEN können. Mehr muss man nicht wissen. Der Rest ist pure Freude.
www.myspace.com/yesweken
www.myspace.com/kenlovesyou
www.strangeways.de
www.myspace.com/strangewaysrecords


Weiterführende Links
http://www.myspace.com/kenlovesyou
http://www.strangeways.de
http://www.myspace.com/strangewaysrecords

Preis AK: 15 Euro
Preis VVK: 12 Euro

Veranstaltungsort
Keller Klub
Rotebühlplatz 4
70173 Stuttgart-Mitte
http://www.kellerklub.com
[ Lageplan ]


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