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KONZERT
THE BASEBALLS
Samstag, 05.06.2010 · 19:00 Uhr

Drei ausgemachte Rock-’n’-Roll-Sänger mit Brief, Siegel und Tolle treffen sich zufällig in der Teeküche eines typischen Heavy-Metal-Probenbunkers in Berlin. Sie identifizieren die jeweils anderen an der Haarpracht als Artgenossen, jammen spontan und gründen eine Band, deren Debüt-Album wenig später bundesweit in den Läden steht. Klingt erfunden? Stimmt aber.

Sam hatte sich fälschlicherweise bei einer Coverband beworben und dafür den weiten Weg aus Reutlingen auf sich genommen. Digger war aus Köln zu Besuch bei seiner großen Schwester und half bei der Gelegenheit in der Band seines Schwagers aus. Und Basti wohnt ohnehin in Berlin. Hat was von Schicksal. „Zugegeben, der Begriff ‚Teeküche’ ist nicht ganz korrekt – ‚ siffiges Leergutlager’ trifft es eher”, merkt Digger an, „aber ‘Blue Suede Shoes’ funktionierte bei uns auf Anhieb – und zwar als dreistimmiger Satzgesang.” Das gab es noch nicht in musikalischen Sphären von Elvis, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly und Co.: Der „Voc ’n’ Roll” ist geboren. Und The Baseballs gleich dazu.

Auch die privaten Gemeinsamkeiten klingen nach schicksalhafter Zusammenführung Seelenverwandter: Den ersten ernst zu nehmenden Tonträger aller drei – nach Benjamin Blümchen – zierte das Konterfei des King, ein jeder könnte jede Rolle jeder Folge der „Simpsons” problemlos synchron sprechen, und natürlich haben sie alle immer einen Kamm in der Tasche. Vor allem aber übt der Lifestyle der goldenen Fünfziger eine fieberhafte Anziehungskraft auf das Trio aus, schon im Jugendalter. Aus mitunter so simplen wie nachvollziehbaren Gründen: „Wer damals gegen seine Eltern rebellieren wollte, musste sich nur eine Tolle kämmen und eine Lederjacke anziehen”, blickt Basti sehnsüchtig in die Vergangenheit. „Heute dagegen kann man seine Eltern doch kaum noch schocken – es sei denn, man wird Investment-Banker.”

Und das kommt zu keinem Zeitpunkt in Frage – der Style steht seit der Kindheit. Die Koteletten sprießen, seit der Haarwuchs es zulässt, und muss die Tolle anlassbedingt ein wenig heruntergekämmt werden – im Herzen sitzt sie perfekt. Voc ’n’ Roll, das bedeutet für The Baseballs nicht nur Look und Lifestyle, es ist ein Synonym für gute Laune. Und das in jedem Alter, so Sam: „Schließlich darf beim Hüftschwung der orthopädische Aspekt nicht außer Acht gelassen werden: Stetiges Kreisen des Beckens reduziert die Notwendigkeit künstlicher Hüftgelenke!”

Abseits solch tiefgehender Überlegungen sind Sam, Digger und Basti permanent auf der Suche nach aktuellen Titeln, die darauf warten, „verrollt” zu werden. Oder, um es mit den Jungs zu sagen: „Wir nehmen gute Songs und führen sie ihrer wahren Bestimmung zu.”

Bliebe noch der Name zu klären. „Er sollte irgendetwas mit Elvis zu tun haben, am besten mit seiner Lieblingsbeschäftigung – ‚Wettessen’ hätte aber doof geklungen. Also fiel die Wahl auf seinen Lieblingssport. Der besondere Vorteil daran: In Europa hat jeder schon mal von Baseball gehört. Ohne eigentlich zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Und das ändern wir jetzt.”

www.thebaseballs.com


Digger, 26, ist der kreative Geist von The Baseballs. Wenn eine skurrile Idee im Raum herumschwirrt, ist er der Erste, der sich an ihrer Umsetzung versucht. Und zwar sowohl musikalisch – an Klavier, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Saxophon oder Blues-Harp – als auch handwerklich: Vor den Shows verschwindet Digger gern im Bastelkeller, um an den Mikrofonständern zu feilen, Pyroeffekte auszutesten oder überraschende Gimmicks und Showelemente zu entwickeln.

Eigentlich wollte der aus Rheine im Münsterland stammende Digger Geige lernen, was ihm seine Eltern ausreden konnten. Und zwar mit Hilfe von Jerry Lee Lewis, der cool genug war, um als Vorbild für den angehenden Pianisten herzuhalten. Denn darum geht’s. Digger liebt es seit frühester Kindheit, im Mittelpunkt zu stehen und das Interesse auf sich zu ziehen. Als Musiker in Bands, als Alleinunterhalter der Familie oder auch als Zauberkünstler – die „Zauberpost” mit den neuesten Tricks bekommt Digger auch heute noch frei Haus.

Falls nun der Eindruck entstanden sein sollte, Digger sei ein selbstbezogener Egomane – das Gegenteil ist der Fall: Er ist ein ausgeglichener Familienmensch, ein Tierliebhaber, dem schon ein Spaziergang mit Hund oder gar nur der Anblick grasender Rinder genügt, um alle dunklen Wolken des Lebens zu vertreiben. Nur ist Digger eben sehr kommunikativ: Wenn andere Leute nach einem langen Flug freudig und schnell die Gurte öffnen, schaltet Digger erst mal erleichtert sein Handy ein.

Basti, 26, ist der Klassensprecher bei The Baseballs. Als wandelnder Terminkalender plant, organisiert und telefoniert er bis die Drähte glühen, um das alltägliche Chaos und vor allem seine beiden Kollegen so gut es geht zu bändigen. Und als einzig begabter Koch der Band kümmert er sich dazu auch noch um deren leibliches Wohl.

Die erste Liebe des in Magdeburg aufgewachsenen Basti gilt dem Klavier, doch er bekommt zu Grundschulzeiten keinen der streng limitierten Plätze. So ist das im real existierenden Sozialismus, man muss nehmen, was man bekommt: Ist der Braten im Konsum aus, gibt’s halt Würzfleisch. Also erst einmal Geige, allerdings erfolglos. Deutlich besser läuft es von Beginn an mit dem Gesang. Mit acht gibt es die erste Elvis-Kassette von den Eltern, und auch wenn die Koteletten trotz aller Versuche noch nicht wie beim großen Vorbild wachsen wollen – bei der nächsten Kinder-Playback-Show gewinnt Basti mit „Love me Tender”, und zwar einen Tuschkasten. Ab diesem Moment führt die weitere Karriere über diverse Kinderchöre, mehrere Jahre klassischen Gesangs­unterricht und einige A-Cappella-Formationen in die Rock-’n’-Roll-Metropole Berlin, zielgenau bis zu den Baseballs. Dort taucht Basti manchmal etwas ramponiert bei den Proben auf – Ausgleichssport: Fußball. Knochenbrüche und Platzwunden diverser Arten und Ausprägungen waren schon dabei, zuletzt ein Nasenbeinbruch, verpasst vom Ex-Hertha-Trainer Falko Götz. Der wäre ihm beim Baseball wohl nicht begegnet.

Sam, 24, das 192–cm-große Kraftpaket der Band, ist ein wandelndes Fifties-Lexikon, eine häufig konsultierte und allseits anerkannte Instanz in Musik- und Stilfragen. Nebenbei hat er den besten Hüftschwung im Kreise der The Baseballs.

Sam wurde zu seinem Leidwesen nicht in Memphis, Tennessee geboren, sondern in Reutlingen. Und wäre er nicht als sechsjähriger Knirps in das Zimmer seines älteren Bruders geschlichen, um in dessen Plattensammlung zu stöbern – er wäre vielleicht heute nicht der Sam, der mit dem großartigen Schmelz in der Stimme die Frauenherzen höher schlagen lässt. Doch seit der ersten heimlichen Begegnung mit dem King brennt ein unauslöschliches Feuer in ihm, und Sam sammelt alles, was an Elvis-Devotionalien zu bekommen ist: Zeitungsartikel, Action-Figuren, Schallplatten, sogar ein Autogramm nennt er sein Eigen. Auch musikalisch hält er mit seiner Liebe nicht hinterm Berg, daran wird die Familie auf jeder Feier lautstark erinnert. Anfangs noch im Playback-Format, mit 13 Jahren kommt die Gitarre hinzu, später verlagert sich der musikalische Schwerpunkt schließlich auf diverse Bands. Und nun winkt mit The Baseballs die große, weite Welt – Sams zweiter Berufswunsch, Comiczeichner, wird sich also erst einmal hintenanstellen müssen. Aber das nimmt er locker wie alles im Leben. Sam ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen – es sein denn, Digger schnarcht im Tourbus.


Weiterführende Links
www.musiccircus.de
www.thebaseballs.com

Preis AK: 28 Euro
Preis VVK: 26,40 Euro

Veranstaltungsort
Longhorn/LKA
Heiligenwiesen 6
70327 Stuttgart-Wangen
http://www.lka-longhorn.de
[ Lageplan ]


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